Raritäten in militärischem Übungsgebiet

Heidelandschaft auf dem Truppenübungsplatz Senne

Naturschutz auf dem Truppenübungsplatz Senne



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Naturschutz und Militär - zwei Nutzungen, die sich auszuschließen scheinen. Auf dem Truppenübungsplatz Senne hat sich jedoch in Sachen Naturschutz eine für Deutschland einzigartige Zusammenarbeit entwickelt.


Der Truppenübungsplatz Senne

Der Truppenübungsplatz Senne nimmt mit einer Fläche von etwa 120 km² fast die Hälfte des gesamten Naturraums Senne ein. Dieser lehnt sich südwestlich an den Gebirgszug des Teutoburger Waldes an und erstreckt sich zwischen Bielefeld-Brackwede im Nordwesten, Schlangen im Südosten und Paderborn im Süden.

Die Geschichte des Truppenübungsplatzes kann bis in das Jahr 1892 zurückverfolgt werden. Im Laufe der Zeit wurde der Truppenübungsplatz ständig erweitert. Sogar ganze Dörfer wurden zu diesem Zweck umgesiedelt. Nach dem zweiten Weltkrieg den britischen Streitkräften überlassen, wird der Truppenübungsplatz Senne heute unter anderem auch von der Bundeswehr, der belgischen und der niederländischen Armee genutzt. Der größte Anteil des Gebietes ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.





Naturschutz und Militär

Wenngleich die militärische Nutzung eine Reihe von Umweltbelastungen mit sich bringt, so gewährleistet sie durch den Ausschluß anderer Nutzungen dennoch den Erhalt einer einzigartigen Landschaft. Während im Umfeld eine immer intensivere landwirtschaftliche und bauliche Nutzung erfolgte, die zu einer Verarmung an Lebensräumen für Pflanzen und Tiere führte, findet man auf dem Truppenübungsplatz Senne noch Reste der historischen Heidelandschaft, wie sie über Jahrhunderte die Landschaft Westfalens prägte.

Im Arbeitskreis "Naturschutz auf dem Truppenübungsplatz Senne" werden alle naturschutzrelevanten Maßnahmen vom britischen und deutschen Militärvertretern, den zuständigen Behörden sowie einem ehrenamtlich tätigen Naturschutz-Beraterstab der Bezirksregierung Detmold gemeinschaftlich besprochen.

Speziell zum Thema "Naturschutz und Militär" wurde zur EXPO 2000 im Rahmen der EXPO-Initiative Ostwestfalen Lippe das Senneinformationszentrum im Prinzenpalais in Bad Lippspringe eingerichtet.

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Wissenschaftliche Untersuchungen

Zur Erfassung des vielfältigen Lebensraum- und Artenspektrums auf dem Truppenübungsplatz wurden bereits zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Gefächert nach Themen wurden so z.B. die Sandheiden, Sandtrockenrasen, Feuchtheiden und Heidemoore aufgenommen und beschrieben. Die genaue Dokumentation bestimmter Artengruppen belegt die große ökologische Bedeutung des Gebietes für das ganze Bundesland NRW. So stehen z.B. mehr als die Hälfte der auf dem Truppenübungsplatz Senne nachgewiesenen Libellenarten und knapp 40% der Vogelarten auf der "Roten Liste".

Für die Entwicklung von zukünftigen Naturschutzstrategien ist die Kenntnis der Entwicklungsgeschichte der Sennelandschaft notwendig. Daher werden ebenso Analysen zur historischen Landnutzung durchgeführt.

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Arten- und Lebensraumvielfalt

Auf dem Truppenübungsplatz Senne ist bis heute ein Mosaik aus Heiden, Mooren, Dünen, naturnahen Fließgewässern und Feuchtwäldern erhalten geblieben. In weiten Bereichen des Truppenübungsplatzes wurde nie mit mineralischen Düngern und Pestiziden gearbeitet. Viele selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten, die in unserer überdüngten und ausgeräumten Landschaft verdrängt worden sind, finden hier noch Rückzugsräume in nährstoffarmen Biotopen.

Die Heideflächen beispielsweise stellen Lebensgemeinschaften aus vielen, zum Teil hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten dar, die nicht selten landesweit gefährdet sind und auf der "Roten Liste" stehen.

Lebensraum Trockene Heide
Die trockenen Heiden der Senne stellen ein Relikt der alten Kulturlandschaft auf nährstoffarmen, trockenen Sandböden dar. Dominierende Pflanzenart der trockene Heide ist die Besenheide. Als weitere Charakterarten treten auf: Englischer und Behaarter Ginster (Genista anglica und G.pilosa). Die große Bedeutung der Heiden des Truppenübungsplatzes Senne begründet sich aus ihrer landesweiten Seltenheit und Großflächigkeit. Während Insekten und andere Kleinlebenwesen auch in kleinflächigen Heidebereichen stabile Populationen aufbauen können, sind für größere Arten großflächige Heiden von entscheidener Bedeutung. Stark gefährtdete Arten wie der Ziegenmelker (Caprimuglus europaeus) und die Heidelerche (Lullula arborea) kommen im Truppenübungsplatz Senne noch in stabilen Populationen vor und haben hier ihren Verbreitungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen.
Calluna-Heide
Lebensraum Feuchtheiden und Heidemoore
Feuchtheiden und Heidemoore gehören zu den seltensten und gerfährdetsten Lebensräume in Nordrhein-Westfalen. Vielerorts wurden sie entwässert, danach aufgeforstet oder landwirtschaftlich genutzt. Die Senne ist eines der wertvollsten Heide-Moor-Gebiete in Westeuropa. Gagel (Myica gale) und Rosmarinheide (Andromeda polifolia) haben hier ihre südöstliche Verbreitungsgrenze. Die charakteristische Pflanzenart der Feuchtheiden ist die Glockenheide (Erica tetralix). Auch fleischfressende Pflanzen wie Mittlerer und Rundblättriger Sonnentau (Drosera intermedia und D. rotundifolia) gibt es in diesem Lebensraum.



Naturschutz- und Landschaftspflege

Um diesen einzigartigen Naturraum zu erhalten und zu fördern, werden seit 1984 im Auftrag der Bezirksregierung Detmold von der ALA,in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft ostwestfälisch-lippischer Entomologen e.V. Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes auf dem Truppenübungsplatz Senne konzipiert und durchgeführt.
Die ausdehnten Heideflächen der Senne sind keinewegs natürlich, es handelt sich um eine alte Kulturlandschaft, die u.a. durch die Schafbeweidung und Plaggenwirtschschaft entstanden ist. Um diesen einzigartigen Naturraum zu erhalten sind umfangreiche Maßnahmen notwendig, die die Arbeiten der ehemaligen Heidebauern ersetzen. Unter anderem werden umfangreiche Entkusselungsmaßnahmen (Entfernen von Gehölzaufwuchs) in den Heidebereichen vorgenommen, um den Aufwuchs von Kiefern, Birken und Traubenkirschen zu begrenzen. Auch die Beweidung mit der Heidschnuckenherde mit einigen Ziegen dient diesem Zweck. Durch den Verbiß der Tiere wird die Verjüngung, der Erhalt und die Blühfreudigkeit der Heide gewährleistet. Als sehr gute Gehölzberbeißer eignen sich die Ziegen. Wenn die Beweidung und die Plegemaßnahmen auf den Heideflächen und dem Magergrünland eingestellt werden, so würde sich langfristig Wald entwickeln. Die typischen Offenlandarten und der Artenreichtum der Senne würde verloren gehen. Seltene Arten, die in den Heiden, Sandmagerasen und Binnendünen leben, würde unweigerlich verschwinden. Der Truppenübungsplatz Senne ist ein artenreiches Gebiet, da es hier um einen einzigartigen Naturraum handelt, der den Lebensraumansprüchen vieler seltener Pflanzen- und Tierarten entspricht, die es außerhalb des Übungsplatzes nicht mehr gibt.

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